Wenn der defekte Server noch über intakte Festplatten verfügt, können diese an einen neuen Server angeschlossen und die Daten direkt übertragen werden — ohne Netzwerkzugriff auf den alten Server.
Wichtig — Reihenfolge beachten: Installieren Sie das Betriebssystem auf dem neuen Server vollständig bevor Sie uns mitteilen, dass die alten Festplatten angeschlossen werden sollen. Werden die Festplatten vor der OS-Installation angeschlossen, besteht die Gefahr, dass der Installer die falschen Laufwerke erkennt und die alten Daten unwiderruflich überschreibt.
Der Prozess besteht aus vier Phasen — je nach Setup (RAID oder kein RAID) unterscheiden sich einige Schritte:
| Phase | Was passiert |
|---|---|
| 1. Festplatte erkennen | Neuen Gerätenamen der eingebundenen Festplatte ermitteln |
| 2. RAID zusammenführen (falls vorhanden) | Software-RAID-Arrays aus dem alten Server wieder aktivieren |
| 3. Partition mounten | Partitionen der alten Festplatte im neuen System einbinden |
| 4. Daten übertragen | Dateien, Konfigurationen und Datenbanken auf den neuen Server kopieren |
Nachdem die Festplatte physisch angeschlossen wurde, listen Sie alle vorhandenen Laufwerke auf dem neuen Server auf:
Die neue Festplatte erscheint als zusätzliches Gerät — z. B. /dev/sdb, /dev/sdc oder bei NVMe als /dev/nvme1n1. Zur weiteren Identifikation können Sie die Seriennummer prüfen:
Die Ausgabe zeigt alle Partitionen der Festplatte mit Typ und Größe — so können Sie die richtige Partition identifizieren.
Erstellen Sie einen Einhängepunkt und mounten Sie die Root-Partition des alten Servers:
Falls eine separate /boot-Partition existiert, mounten Sie diese ebenfalls:
Passen Sie sdb1 und sdb3 an die tatsächlichen Partitionsnamen aus der lsblk-Ausgabe an.
Stellen Sie sicher, dass mdadm installiert ist:
Führen Sie einen automatischen Scan durch — mdadm erkennt und aktiviert alle RAID-Arrays der angeschlossenen Festplatte:
Prüfen Sie den RAID-Status:
Wenn der automatische Scan nicht funktioniert, können Sie das RAID manuell mit den Festplattenpartitionen zusammenführen:
Falls nur eine Festplatte eines RAID-1-Verbunds vorliegt, können Sie das RAID im Degraded-Modus zwangsweise aktivieren:
Mounten Sie anschließend die RAID-Partition:
Prüfen Sie ob LVM-Volumes auf der Festplatte vorhanden sind:
Falls Volumes erkannt werden, aktivieren Sie diese:
Mounten Sie das logische Volume — der Pfad folgt dem Schema /dev/VOLUMEGRUPPE/LOGVOLUME:
fsck darf nur auf nicht gemounteten Partitionen ausgeführt werden. Falls Sie die Partition in Schritt 2 bereits gemountet haben, unmounten Sie sie zuerst.
Nach erfolgreicher Prüfung wieder mounten:
Kopieren Sie Webinhalte aus dem alten System in das neue:
Kopieren Sie relevante Konfigurationen — passen Sie die Pfade an Ihre Dienste an:
MySQL/MariaDB-Daten befinden sich unter /var/lib/mysql. Der zuverlässigste Weg ist ein direkter Dump aus den Datenbankdateien — falls der MySQL-Dienst nicht gestartet werden kann, kopieren Sie die Datenbankdateien direkt (nur bei gleicher MySQL-Version empfohlen):
Kopieren Sie MySQL-Datendateien nur bei identischer MySQL/MariaDB-Version auf dem neuen Server. Bei unterschiedlichen Versionen verwenden Sie stattdessen mysqldump — starten Sie dazu temporär einen MySQL-Dienst mit den alten Datendateien.
Kopieren Sie die Passwort- und Gruppen-Dateien, um Systembenutzer zu übernehmen:
SSH-Keys übernehmen:
Überprüfen Sie nach dem Kopieren die Dateiberechtigungen — .ssh-Verzeichnisse müssen 700 und enthaltene Schlüsseldateien 600 haben:
Bei RAID-Verbund zusätzlich:
Die Festplatte kann nun physisch entfernt oder für weitere Zwecke verwendet werden.
Der physische Aus- und Einbau von Festplatten im Rechenzentrum muss durch unser technisches Personal erfolgen. Eröffnen Sie ein Support-Ticket im PowerPanel.